Nur noch 17 Prozent der Bürgerinnen und Bürger halten den deutschen Staat für handlungsfähig. Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes genießen dagegen weiterhin ein hohes Ansehen. Der dbb fordert ein breites Bündnis aus Politik, Wirtschaft, öffentlichem Dienst und Gewerkschaften, um Deutschland zu stärken und seine Krisenfestigkeit zu verbessern.
Weckruf für die Regierung
„Die Ergebnisse unserer Befragung sind eine Katastrophe und ein Weckruf für die Regierung“, erklärte der dbb-Bundesvorsitzende Volker Geyer am 30. Juli 2026 in Berlin. „Das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates ist auf einen neuen Tiefststand gefallen. Die Politik muss handeln, um diesen Abwärtstrend zu stoppen.“ Dass nur noch 17 Prozent der Bevölkerung den Staat für handlungsfähig halten, sei „nicht hinnehmbar“. Verantwortlich für den Vertrauensverlust machen die Befragten nicht die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, sondern die Politikerinnen und Politiker. Geyer sagte: „Die Bundesregierung ist jetzt am Zug. Die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland erwarten Reformen, die sich positiv auf ihr Leben auswirken, Wirtschaftswachstum schaffen, die Sozialsysteme stärken und dafür sorgen, dass der Staat wieder besser funktioniert.“
Bündnis für die drei wichtigsten Themen
Für die Bürgerinnen und Bürger haben die Reform und Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme, Wirtschaftswachstum und die Sicherung von Arbeitsplätzen sowie die Verbesserung der Infrastruktur die höchste Priorität. Gerade bei diesen Themen bewerten sie die Fortschritte der letzten Zeit als besonders unzureichend. „Ich fordere die Politik auf, ein breites Bündnis mit den wichtigen gesellschaftlichen Gruppen, mit Wirtschaft, öffentlichem Dienst und Gewerkschaften zu schließen. Nur so kann es bei den drei wichtigsten Themen – Wirtschaftswachstum, Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme und öffentliche Infrastruktur – endlich vorangehen“, sagte Geyer. Dass sich Trends umkehren lassen, zeigt sich beim Thema Migration und innere Sicherheit. Hier hat sich die Lage im vergangenen Jahr entspannt. „Vielleicht ist das auch eine Botschaft an die Politik. Durch konsequentes Handeln kann der Negativtrend in den Umfragen wirklich gestoppt werden“, so der dbb-Chef.
Leistungsfähigkeit unter Druck – Aufgabenkritik nötig
Zum ersten Mal seit Beginn der Befragung sagen mehr als die Hälfte der Deutschen, dass sich die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes verschlechtert hat (51 Prozent). Für Geyer liegt das vor allem an der steigenden Aufgabenlast, fehlendem Personal und veralteter Ausstattung. „Wir warnen seit Jahren davor, dass die Schere zwischen Anforderungen und Kapazitäten immer größer wird. Trotzdem lädt die Politik den Beschäftigten immer mehr Aufgaben auf. Wir brauchen jetzt eine konsequente Aufgabenkritik des Staates. Die Politik muss mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutieren, welche Leistungen der Staat überhaupt noch erbringen kann und soll und welche nicht mehr.“ Verbesserungen versprechen sich die Bürgerinnen und Bürger vor allem durch eine Verringerung und Vereinfachung der vielen Vorschriften (86 Prozent), eine deutliche Verkürzung der Bearbeitungszeiten (78 Prozent) und mehr digitale Behördenleistungen (72 Prozent). „Hier ziehen Beschäftigte und Bürgerinnen und Bürger am gleichen Strang: Alle wollen mehr Digitalisierung und weniger ausufernde Bürokratie“, unterstrich Geyer.
Know-how im öffentlichen Dienst nutzen
Bei all diesen Themen können die Kolleginnen und Kollegen des öffentlichen Dienstes entscheidend mithelfen. Geyer sagte: „Sie haben den Sachverstand. Die Beschäftigten wollen helfen und wissen am besten, wo Strukturen undurchsichtig, Regelungen ineffizient und Abläufe zu bürokratisch sind. So lassen sich große Modernisierungsmöglichkeiten aktivieren, die wir in eine Stärkung Deutschlands investieren können. Statt auf teure externe Berater zu setzen, sollte die Politik das Know-how im öffentlichen Dienst selbst nutzen, denn darin liegt Deutschlands wahre Stärke.“
Hoffnungsschimmer: Ansehen der Beschäftigten bleibt hoch
Die generelle Unzufriedenheit mit der „Leistung“ des Staates machen die Bürgerinnen und Bürger den Beschäftigten nicht zum Vorwurf. „Aus unserer Sicht ist das einer der wenigen Hoffnungsschimmer der Umfrage. Die Berufe im öffentlichen Dienst liegen weiterhin auf den Top-Plätzen im Ranking“, betonte Geyer. „Auch das Image der Beamten ist noch immer vor allem geprägt von positiven Eigenschaften wie verantwortungsbewusst, pflichtbewusst und zuverlässig.“
> dbb Bürgerbefragung Öffentlicher Dienst 2026
Quelle(n):
https://www.dbb.de/artikel/dbb-buergerbefragung-oeffentlicher-dienst-2026.html
https://www.dbb.de/artikel/geyer-fordert-buendnis-fuer-einen-starken-staat.html
Hallo,
ich wünsche mir eine Bürgerbefragung zur Leistungsfähigkeit von Jugend-und Sozialämtern. Aus meiner Sicht fehlt eine verpflichtende externe Qualitätsüberpfüfung sowie verpflichtende Fortbildungen für alle Mitarbeitenden. Darüber hinaus werden regionale Beschwerdestellen für anonymisierte Rückmeldungen benötigt.
Veratete Strukturen, viel zu späte, nicht zielgenaue Unterstützung im frühen Kindesalter können zu erheblichen Mehrbelastungen dem Entwicklungsverlauf folgender Ressorts führen.